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Rätsche, Ratsche

Wörterbuch:
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Wortart: Substantiv
Genus: Femininum
Wortfamilie: ratsch
Bedeutungen
1
Ratsche, Klapper (besonders in der Karwoche)
Religiöses Volksbrauchtum
Allgäu mehrfach, Mittelschwaben mehrfach, Nordschwaben vereinzelt
Vo Greadoschtǝg bis in d Nåcht zum Oaschtrsamschtǝg nẽi hearǝt ma anstell vo dr Kiacheglocka d Räätscha Leuterschach MOD47.747957, 10.5742203, Dietlein 99 Ferdinand Dietlein: Von Aftrmikta bis Zibeba. Marktoberdorfer Dialektwörterbuch aus Lutterschach, Kempten, 2019
Mit Betscher .., Retschẽ u. Britschẽ Lärminstrument bei Fastnachtsumzügen, Ottobeuren MM47.9428435, 10.3001016, MG 30, 24 : Mundartgeografische Fragebögen (aus dem Materialbestand des Bayerischen Wörterbuchs), 1927-1941
„am Karfreitag schweigen alle Kirchenglocken. Dafür ziehen die Ministranten mit der Karfreitagsrätsche von einem Ende des Ortes zum anderen, mit lautem Geratsche das Geläute ersetzend.“ Epplen, 51 „Die Rätsche oder Schnurre betätigen mit Eifer die Ministranten vor und während der Gottesdienste oder zur Zeit des sonstigen Ave-Läutens. Die Buben ziehen durch die Straßen, ihr Instrument tragend oder auf einem Schubkarren schiebend. Für ihren Dienst dürfen sie sich am Karsamstag von Haus zu Haus ihren Lohn holen. Sie leiern dabei das Sprüchlein ab: »Wir haben gedient das ganze Jahr am Altar, am heiligen Grab, drum bitten wir um eine kleine Gab'!« (Waltenhausen). Gerne geben die Bäuerinnen einige Eier, und in manchen Häusern klingen Geldstücke.“ Jörg, KRU,22
2
von Menschen
2a
schwatzhafte Person, meist Frau
Bez. von Menschen: geschlechtsunspezifisch (Verhalten)Sprache (Mitteilung, Information)/Stillschweigen
Schwaben mehrfach
A Rätscha ischt a fürchtigs Leut; weiss alls was gschiecht von nächt und heut und machts publik doaf nauf- und na Mindelheim MN48.0464164, 10.4882504, Rothärmel Rothärmel, Clara: Weibermarkt oder Sortimentsverzeichnis (Mindelheim) (weiblich) (Gedicht in Maschinenschrift), o.J.
rādšǝ Wildpoldsried KE47.7666821, 10.4019263, SBS 2 K 61 König, Werner (Hg.): Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben. Bearbeitet von Christine Feik. Band 2: Wortgeographie I, Heidelberg, 1996
2b
Mund
Mensch: Körperteile (äußere)Sprechwerkzeuge, Kauwerkzeuge (z.B. lallen, sprechen u.a.)
Günzburg GZ48.4539028, 10.2785509
Rätsch Günzburg GZ48.4539028, 10.2785509, Stötter, AhMa. Stötter, Serafin: Aus heimatlicher Mundart, in: Schwäbischer Heimat-Bote. Heimatkundliche Beilage zur Günzburger Nationalzeitung, 13,13, S.?, Günzburg, 1939
nhd. Bildung zu mhd. ratzen 'klappern, kratzen, rasseln'; Kluge-Seebold 747Kluge, Friedrich/Seebold, Elmar: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin/Boston, 2011, Auflage 25, onomatopoetischer Herkunft wie ratsch; DWB XIII,190
  • Schwäb.Wb. V 160 Fischer, Hermann: Schwäbisches Wörterbuch. 6 Bände, Tübingen, 1904-1936
  • Schmeller II 190 Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch (1827 - 1837). Bearbeitet von Frommann, Georg Karl (1872 - 1877). 2. bearbeitete Ausgabe. 2 Bände, München (Nachdruck), 1985
  • WBF 409 Wagner, Eberhard/Klepsch, Alfred: Handwörterbuch von Bayerisch-Franken, Bamberg, 2007
verfasst von: JW