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Pfiff1

Wörterbuch:
Link zum PDF: Band 2, Spalte 571–573
Wortart: Substantiv
Genus: Maskulinum
Bedeutungen
1
Pfeifton
°Oberbayern vereinzelt, °Niederbayern vereinzelt
°a Pfief Langquaid ROL48.8213241, 12.0508025
Da Seppl an Pfiif gmåcht wia a Gambbs Ohlstadt GAP47.6334851, 11.2340329, Lech-Isar-Ld 12 (1936) 93Lech-Isar-Land, 1927-36, 1956ff.
In festen Fügungen:
auf den Pfiff folgen / gehen auf Pfeifen gehorchen (vom Hund)
der Hund geht auf den Pfief Passau PA48.567378, 13.431710

übertr. sklavisch gehorchen °Niederbayern vereinzelt:
°er geht auf’m Pfiff „ist seiner Frau unterwürfig“ Malching GRI48.313106, 13.188530
So Papa, mir ham Dir scho immer g’folgt aufn Pfiff Altb.Heimatp. 50 (1998) Nr.31,8Altbayerische Heimatpost. Wochenzeitung für die bayerische Familie, 1948ff.

Alle Pfiffe (lang) u.ä. in kurzen Abständen, immer wieder °Oberbayern vereinzelt, °Niederbayern vereinzelt, °Oberpfalz vereinzelt, °Mittelfranken vereinzelt:
°alle Pfief Wendelstein SC49.351482, 11.151888
Oi:i fümf Bfiff lang „immer wieder“ Christl Aichacher Wb. 263Christl, Karl: Aichacher Mundartlexikon, Aichach 1988.

*1922 Pfaffenberg MAL

Redensarten:
jetzt geht es aus einem anderen Pfiff u.ä. wird es ganz anders °Oberbayern vereinzelt, °Niederbayern vereinzelt, °Oberpfalz vereinzelt, °Oberfranken vereinzelt, °Mittelfranken vereinzelt, °Schwaben vereinzelt:
öz gäitz aus an andern Pfiff Fronau ROD49.2678745, 12.4356655
Übertr.: kalter Luftzug
Und eim der Pfiff [des kalten Windes] durch d’Hosen geht Bucher Charfreytagsprocession 163[Bucher, Leonhard Anton Joseph v.:] Entwurf einer ländlichen Charfreytagsprocession sammt einem gar lustigen und geistlichen Vorspiel zur Passionsaction, hg. von einem Ordenspater, [München] 1782.

*1746 München, †1817 ebd.; Jesuit, Pfarrer, Gymnasialrektor
Zehner im Kartenspiel
°Pfiff, Eisenbahner Zehner im Kartenspiel Töging 48.2547192, 12.5864967
2
Durchfall
°Oberbayern vereinzelt
°Bfief Rosenheim RO47.857172, 12.116561
3
Nichtigkeit, Geringfügigkeit
°Oberbayern vereinzelt, °Niederbayern vereinzelt
°redt ma net drüber, is ja grad a Pfiff gwen Stephanskirchen RO47.855505, 12.181220
sie habn sich ja In alle Pfiff nei g’mengt Sturm Lieder 105Sturm, Marcelin: Lieder zum Theil in baierischer Mundart, o.O. 1819.

*1760 Rötz WÜM, †1812 Hiltersried WÜM; Augustiner
In festen Fügungen:
einen / keinen Pfiff gar nichts °Oberbayern vereinzelt, °Niederbayern vereinzelt, °Oberpfalz vereinzelt, °Oberfranken vereinzelt, °Mittelfranken vereinzelt, °Schwaben vereinzelt:
°des geht di an Pfif an! Manching IN48.716970, 11.493930
°für dei Kaibl gib i koan Pfif her, dös is ma z mager Wiefelsdorf BUL49.279512, 12.0765902
An Pfief hast gwunna! Kreis Münchner 100Kreis, Julius: Wir Münchner. Geschichten, hg. von Heidi Krischke, München 1992.

*1891 München, †1933 ebd.; Lehrer, Schriftsteller

ə~n Pfif sollst davo~ hàbm Schmeller I,422Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch, bearb. von G. Karl Frommann, 2 Bde, München 21872-77 (Neudr. Aalen 1961, München 1985).

*1785 Tirschenreuth, †1852 München; Prof. für dt. Sprache, Kustos der Bayerischen Staatsbibliothek

Du woast koan Pfiff davon Zaupser 59Zaupser, Andreas: Versuch eines baierischen und oberpfälzischen Idiotikons, München 1789 (Nachdr. Grafenau 1986).

*1748 München, †1795 ebd.; Hofkriegsratssekretär, Prof. für Philosophie

Um keinen Pfiff unter keinen Umständen °Oberbayern vereinzelt, °Niederbayern vereinzelt, °Oberpfalz vereinzelt, °Schwaben vereinzelt:
°um koin Pfiff gib i dös hear Augsburg A48.3668041, 10.8986971

(Einen)Pfiff Ausdruck der Ablehnung °Niederbayern mehrfach, °Oberpfalz vereinzelt:
ja Pfiff! Iggensbach DEG48.730933, 13.141065
än Bfief! „ich mag nicht“ Maas Nürnbg.Wb. 80Maas, Herbert: Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßn. Ein Nürnberger Wörterbuch, Nürnberg 51987.

*1928 Nürnberg, †2014 ebd.; Studiendirektor
4
geringe Menge
4a
kleine Menge allg.
Na tragt ein oft der ganze Pfiff koan Schnulla mehr fuͤrs Kind Sturm Lieder 25Sturm, Marcelin: Lieder zum Theil in baierischer Mundart, o.O. 1819.

*1760 Rötz WÜM, †1812 Hiltersried WÜM; Augustiner
4b
kleinere Schankmenge
°Oberbayern mehrfach, °Niederbayern vereinzelt, °Oberpfalz vereinzelt, °Oberfranken vereinzelt, °Mittelfranken vereinzelt, °Schwaben vereinzelt
°da Wirt laßt schnöi no an Pfiff nei Pipinsried DAH48.4052204, 11.2896592
„in der Erntezeit haben wir den Scheps geholt und uns an Pfiff guten Bieres drauflaufen lassen“ Treidling ROD49.192468, 12.321594
„Im mündlichen Gebrauch werden … kleinere Mengen Bier als … Pfiff bezeichnet“ Oberpfalz 94 (2006) 48Die Oberpfalz. Heimatzeitschrift für den ehemaligen Bayerischen Nordgau, 1907ff.
auch Bierschaum
°Oberbayern vereinzelt, °Niederbayern vereinzelt, °Oberpfalz vereinzelt
°da Pfiff bringt ’n Profit „sagt der Wirt“ Winklarn OVI49.4263741, 12.4803096
Übertr. Urinstrahl des Hunds
°do hot er no schnej an Pfiff onilossn an dei’ Hauseck Anzing EBE48.151391, 11.853443
4c
kleinstes Schankmaß, bei Bier meist ¼ Liter
°Oberbayern vereinzelt, °Niederbayern vereinzelt, °Oberpfalz vereinzelt
a Hoibe und an Pfiff „drei Viertel Liter“ (Ef.) Metten DEG48.855117, 12.913475
„Der ansässige, gebürtige Münchner … holt sich an der Schenke seine drei Quartl oder drei Pfiff SZ 19 (1963) Nr.199, 13Süddeutsche Zeitung, 1945ff.
Der Pfiff „die Hälfte des kleinsten unter den in Wirthshäusern gewöhnlichen Getränkmaßen, also … des Seidels oder der halben Maß“ Schmeller I,422Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch, bearb. von G. Karl Frommann, 2 Bde, München 21872-77 (Neudr. Aalen 1961, München 1985).

*1785 Tirschenreuth, †1852 München; Prof. für dt. Sprache, Kustos der Bayerischen Staatsbibliothek
4d
Prise
°an Pfif Dawag Regensburg R49.013904, 12.100040
5
Reiz, Anziehung
°Oberbayern vereinzelt
°de hod an Pfief! „kann sich sehen lassen“ Rechtmehring WS48.1238948, 12.1598525
Pfīf „Schick, gutes Aussehen, Eleganz“ Berthold Fürther Wb. 165Berthold, Eugen: Dei hulli alli ô. Ein amüsantes Wörterbuch der Fürther Mundart, Fürth 1975.

*1897 Fürth, †1976 ebd.; Oberinspektor
auch Würze, Pointe
Dees Stück hat koan Pfiff! „Würze, Pointe“ Ringseis 200Ringseis, Franz: Neues bayerisches Wörterbuch, Pfaffenhofen 1985.

Pseudonym für Neuhäusler, Anton, *1919 München, †1997 ebd.; Prof. für Philosophie
6
Kniff, Trick
Äer hout … in Pfīf raus! Berthold Fürther Wb. 165Berthold, Eugen: Dei hulli alli ô. Ein amüsantes Wörterbuch der Fürther Mundart, Fürth 1975.

*1897 Fürth, †1976 ebd.; Oberinspektor
i kenn deinë Pfíff’ scho~ Oberbayern, Bavaria I,343Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern, bearb. von einem Kreise bayerischer Gelehrter, 4 Bde, München 1860-67.
Abl. von pfeifen; Pfeifer Et.Wb. 996Pfeifer, Wolfgang: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 3 Bde, Berlin 1989..
  • Delling I,71Beiträge zu einem baierischen Idiotikon, ges. von Johann v. Delling, 2 Bde, München 1820.

    *1764 München, †1838 ebd.; Jurist, Historiker
  • Schmeller I,422Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch, bearb. von G. Karl Frommann, 2 Bde, München 21872-77 (Neudr. Aalen 1961, München 1985).

    *1785 Tirschenreuth, †1852 München; Prof. für dt. Sprache, Kustos der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Zaupser 59Zaupser, Andreas: Versuch eines baierischen und oberpfälzischen Idiotikons, München 1789 (Nachdr. Grafenau 1986).

    *1748 München, †1795 ebd.; Hofkriegsratssekretär, Prof. für Philosophie
  • WBÖ III,58Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich, hg. im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien/Graz/Köln 1970ff.
  • Schwäb.Wb. I,1041Schwäbisches Wörterbuch, bearb. von Hermann Fischer (Bd 6 von Wilhelm Pfleiderer), 6 Bde, Tübingen 1904-36.
  • Schw.Id. V,1085Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, Frauenfeld 1881ff.
  • Suddt.Wb. II,304Sudetendeutsches Wörterbuch, hg. von Heinz Engels, München 1988ff.
  • DWB VII,1696f.Grimm, Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, 16 Bde, Leipzig 1854-1954 (Nachdr. München 1984).
  • Angrüner Abbach 62Angrüner, Fritz: Weî heußt’n des? 1300 Mundartwörter aus Bad Abbach und Umgebung, Bad Abbach 1985.

    *1928 Abbach KEH, †2015 Abensberg KEH; Rektor, Heimatforscher
  • Berthold Fürther Wb. 165Berthold, Eugen: Dei hulli alli ô. Ein amüsantes Wörterbuch der Fürther Mundart, Fürth 1975.

    *1897 Fürth, †1976 ebd.; Oberinspektor
  • Braun Gr.Wb. 459Braun, Hermann: Großes Wörterbuch der Mundarten des Sechsämter-, Stift- und Egerlandes, Marktredwitz 1981ff.

    *1909 Fleißen/Böhmen, †2005 Marktredwitz; Dr.phil., Oberstudienrat
  • Kollmer II,539Kollmer, Michael: Die schöne Waldlersprach. Von Wegscheid bis Waldmünchen, von Passau bis Regensburg, 3 Bde, Moosbach 1987-89.

    *1917 Auwies KÖZ, †2001; Dr.phil., Gymnasialprof.
  • Maas Nürnbg.Wb. 80Maas, Herbert: Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßn. Ein Nürnberger Wörterbuch, Nürnberg 51987.

    *1928 Nürnberg, †2014 ebd.; Studiendirektor
  • Fragebögen:
  • W-21/24, 22/1-3, 5
verfasst von: A.R.R.