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Wählen Sie hier bei Bedarf bitte einen oder mehrere Landkreis(e) aus. Es handelt sich dabei jedoch mit Ausnahme derer des Fränkischen Wörterbuchs um Altlandkreise vor der Gebietsreform der 1970er Jahre. Dies ist ein Ordnungsschema des Wortschatzes nach der Bedeutung. Es basiert auf dem System, das Post (1998) auf der Grundlage von Hallig/v. Wartburg (1952) erweitert und entwickelt hat. Mittels vierstelliger Nummern werden themen- bzw. sachverwandte Wörter einander zugeordnet.
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Praktik, Prattig, Praktika

Wörterbuch:
Link zum PDF: Band 3, Spalte 34f.
Wortart: Substantiv
Genus: Femininum, 
Maskulinum 
Bedeutungen
1
(Hundertjähriger) Kalender
Oberbayern vereinzelt
d’Praktick Hauskalender in Buchform Oberaudorf RO47.6484154, 12.1737799
„Bei der altbayerischen, ländlichen Bevölkerung … noch häufig der Pratti Bronner Sitt’ 49Bronner, F[ranz] J[osef]: Von deutscher Sitt’ und Art. Volkssitten und Volksbräuche in Bayern und den angrenzenden Gebieten, München 1908.

*1860 Höchstädt a.d. Donau, †1919 München; Volksschullehrer
Die Practik, Prattig, Pratti, Pràtti, Pratteng „der Calender; eigentlich: der hundertjährige“ Schmeller I,467Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch, bearb. von G. Karl Frommann, 2 Bde, München 21872-77 (Neudr. Aalen 1961, München 1985).

*1785 Tirschenreuth, †1852 München; Prof. für dt. Sprache, Kustos der Bayerischen Staatsbibliothek
Lass mir auch ainen pratten machen Regensburg R49.013904, 12.100040, 1497 Rgbg u.Ostb. 86 (Br.)Regensburg und Ostbayern, hg. von Franz Karg, Kallmünz 1991.
2
Umstand, Gegebenheit
aus etlichen practica entsprang, das sich di stat Rengspurg aus freyem willen im unbezbungenlich begab Arnpeck Chron. 678,2-4Arnpeck, Veit: Sämtliche Chroniken, hg. von Georg Leidinger, München 1915 (Neudr. Aalen 1969).

*vor 1440 Freising, †1495 Landshut; Geistlicher in Amberg
3
Methode, Vorgehensweise, ä.Spr.
Welche Schulmaister aber die welsch Practica … khönnen München M48.139686, 11.578889, 1564 Bavaria I,536Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern, bearb. von einem Kreise bayerischer Gelehrter, 4 Bde, München 1860-67.
4
unerlaubte, betrügerische Vorgehensweise, Machenschaft
Praktikn „Schwindeleien, Diebstahl“ Passau PA48.567378, 13.431710
Praktik’n måch’n „Ausflüchte machen“ Braun Gr.Wb. 471Braun, Hermann: Großes Wörterbuch der Mundarten des Sechsämter-, Stift- und Egerlandes, Marktredwitz 1981ff.

*1909 Fleißen/Böhmen, †2005 Marktredwitz; Dr.phil., Oberstudienrat
der babst richt vil haimlicher, selzamer praktiken zue Aventin I,234,28f. (Türkenkrieg)Johann Turmair’s genannt Aventinus sämmtliche Werke, 6 Bde, München 1881-1908.

*1477 Abensberg KEH, †1534 Regensburg; Prinzenerzieher, Geschichtsschreiber
Abstellung dergleichen bishero gebrauchten unzimblichen Vortheilen, Aigennuz und ungebirlicher Practiquen Lutzmannstein PAR49.267938, 11.738567, 1662 Hartinger Ordnungen II,724Hartinger, Walter: „... wie von alters herkommen ...“. Dorf-, Hofmarks-, Ehehaft- und andere Ordnungen in Ostbayern, Passau 1998.
In fester Fügung:
Praktik spielen schwindeln, betrügen
weil niemand mehr Praktik spielen kann als eben der Metzger Oberalteich BOG48.917136, 12.667324, 1754 JberHVS 36 (1933) 32Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung, 1899ff.
Mhd. practik(e) ‘Kunst, Kniff’, aus mlat. practica, gr. Herkunft; Pfeifer Et.Wb. 1035Pfeifer, Wolfgang: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 3 Bde, Berlin 1989.. Formen mit -tt- über das It.; vgl. WBÖ III,716Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich, hg. im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien/Graz/Köln 1970ff..
  • Schmeller I,467Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch, bearb. von G. Karl Frommann, 2 Bde, München 21872-77 (Neudr. Aalen 1961, München 1985).

    *1785 Tirschenreuth, †1852 München; Prof. für dt. Sprache, Kustos der Bayerischen Staatsbibliothek
  • WBÖ III,715f.Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich, hg. im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien/Graz/Köln 1970ff.
  • Schwäb.Wb. I,1341f.Schwäbisches Wörterbuch, bearb. von Hermann Fischer (Bd 6 von Wilhelm Pfleiderer), 6 Bde, Tübingen 1904-36.
  • Schw.Id. V,567-573Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, Frauenfeld 1881ff.
  • Suddt.Wb. II,560Sudetendeutsches Wörterbuch, hg. von Heinz Engels, München 1988ff.
  • DWB VII,2052f.Grimm, Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, 16 Bde, Leipzig 1854-1954 (Nachdr. München 1984).
  • Frühnhd.Wb. IV,906-908Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, hg. von Ulrich Goebel und Oskar Reichmann, Berlin/New York 1989ff.
  • Lexer HWb. II,289Lexer, Matthias [v.]: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, 3 Bde, Leipzig 1872-78 (Neudr. Leipzig 1965).
  • Braun Gr.Wb. 471Braun, Hermann: Großes Wörterbuch der Mundarten des Sechsämter-, Stift- und Egerlandes, Marktredwitz 1981ff.

    *1909 Fleißen/Böhmen, †2005 Marktredwitz; Dr.phil., Oberstudienrat
  • Fragebögen:
  • M-255/9f.
verfasst von: A.S.H.